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Chef-Etage zum Ausprobieren

Sie haben eine Woche ihrer Herbstferien in der Sparkasse Stade-Altes Land verbracht. Freiwillig und ohne unmittelbare Gewinnaussichten in dem Wirtschaftsplanspiel. Was ihnen zwischen den Arbeitsstunden von 8 bis 18 Uhr geboten wurde, ist eine Betreuung, wie sie sonst nur Vorstandsmitgliedern zuteil wird. Nicht wenige der 25 Schüler aus den Oberstufen Stader Gymnasien können sich ihren späteren Einzug in deutsche Chefetagen nach dieser Woche lebhaft vorstellen.


Für den Donnerstagabend haben die jungen Frauen und Männer im Alter zwischen 17 und 21 Jahren gearbeitet. Jetzt sollen sie der fiktiven französischen Firma "Officielle S.A" ihre Projekte vorstellen und verkaufen. In drei Gruppen kämpft die potenzielle Wirtschaftselite von morgen um die Gunst des Publikums, das vor allem aus Wirtschaftsjunioren aus dem Kreis Stade besteht. Die Aufgabe ist fantasievoll und lädt zu einem Ausflug ins Grafikdesign ein. Ein edles, sprachgesteuertes Schreibgerät für Führungskräfte soll entwickelt und der Preis dafür richtig kalkuliert werden.


Selbstbewusst preisen die jungen Geschäftsführer und Marketingstrategen ein Produkt an, das es gar nicht gibt. Wo Details in der Vorgabe fehlen, werden munter Extras in der Ausstattung hinzugefügt. Als im Plenum über Farbvariationen des Stiftes für den Markt in China und im Sinne der Erweiterung des Marktes nach Osteuropa von Spracheinsatz-Problemen bei Wodkagenuss diskutiert wird, darf gelacht werden. Das entspannt ein bisschen den Umgang mit den selbst entwickelten Modellen, zweifelsohne der Schwachpunkt der Präsentationen. Wirtschaftsexperten sind eben nicht auch automatisch Grafik-Genies.


Bewusst nicht als Sympathieträger führt sich Seminarleiter Andreas Mätzold vom Bildungswerk der niedersächsischen Wirtschaft aus Hannover ein. Für diverse Gemeinheiten sei er in den vergangenen Tagen zuständig gewesen, sagt er. Er hat die Gruppen immer wieder mit unerwarteten Problemen konfrontiert. Manch Unternehmen habe sich da überlegen müssen: "Wie werden wir Personal wieder los? Das hat einige 100000 Euro gekostet."


In seiner Einführungsrede spricht Mätzold auch von der Finanzkrise, von Fehlern, die Menschen nun mal machten: "Und drei Jahre danach spricht kaum einer mehr davon." Es bleibt ein Schweigen im Raum und die Ahnung, dass die Ausbilder heranwachsender Young Professionals bis jetzt kein Erfolgsrezept parat haben, das ohne Rationalisierung und Stellenabbau funktioniert. Stattdessen geht es um selbstsicheres Auftreten und stetes Rühmen des eigenen Produkts - auch auf Kosten der Konkurrenz.


Gewonnen hat am Ende die Gruppe Electronics 2 write mit ihrem "Pen pour parler". Die Verkaufspräsentation haben sie ebenfalls am besten geführt. Aber es geht weniger um den Sieg als vielmehr um die Erfahrung.


Markus Albrecht, Mitbegründer des bundesweit agierenden Internetportals City-Map, hat vor 17 Jahren selbst beim Planspiel mitgemacht. Heute fördert er als Wirtschaftsjunior das Projekt mit. "Ich weiß noch, dass ich mich damals gefreut habe: Endlich mal kein Interpretationskurs", sagt Albrecht. Ihn hat die Teilnahme motiviert, sich selbstständig zu machen. Mit einer guten Idee - nicht ganz unwichtig.

 

Stader Tageblatt vom 16.10.2010



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